Karneval-Lexikon |
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| Narhallamarsch | Der Narhallamarsch - korrekt: "Mainzer Narhallamarsch" - ist eines der bedeutendsten Musikstücke der Mainzer Fastnacht (Meenzer Fassenacht).
Herkunft und Gebrauch Die ersten Karnevalsumzüge persiflierten die militärischen Bräuche des preußischen und französischen Militärs - als Sinnbilder der Herrschenden schlechthin. Auch der Narhallamarsch, der heute in unzähligen Feiern (Kappensitzungen) den Einzug der Narren und Närrinnen begleitet, kommt über das Militär in den Karneval. Komponiert wurde der Narhallamarsch von dem französischen Komponisten Adolphe Adam (1803 - 1856). Adam schrieb den Marsch im Jahr 1838 für seine Oper "Le Brasseur de Preston" ("Der Brauer von Preston"). Der zu dieser Zeit in Mainz lebende, österreichische Regiments-Kapellmeister Karl Zulehner (1805-1847), eines der Gründungsmitglieder des im gleichen Jahre gegründeten Mainzer Carneval-Verein (MCV), entlieh 1843 Motive aus der Oper und fasste sie im "Jocus-Marsch", dem späteren "Narhallamarsch", zusammen, der 1844 bei der Eröffnung der Kampagne unter der Leitung von Zulehner seine Uraufführung erlebte. Der Name Narhallamarsch geht auf ein Wortspiel zurück, in welchem die Wörter "Narr" und "Walhalla" zu Narhalla zusammengezogen wurden. Narhalla wurde, weil auch Walhalla nur mit einem "L" geschrieben wurde, ebenfalls nur mit einem "R" geschrieben. Erst im Nachgang zur Wortfindung zu Narhalla und Narhallamarsch nannten sich etliche Faschingsvereine dann als Vereinigung von Narren "Narrhalla" oder "Narrhalensia" usw..
Legenden Einer der zahlreichen Legenden um Narhalla zufolge soll Narhalla das Reich des ewigen Karnevals, ein Schlaraffenland für Karnevalisten sein. Die männlichen (und nur diese) Bewohner werden Narhallesen genannt. Hieraus resultiert auch die Begrüßungsformel in zahlreichen Karnevalssitzungen: "Liebe Närrinnen und Narhallesen."
Die Mainzer selbst nennen den Narhallamarsch: "Ritzamba" (Wortverballhornung). Der Mainzer Volksmund hat allerdings eine eigene Entstehungsversion dieses Namens gesponnen. So wird berichtet, das "Ritzamba" ginge auf einen französischen General namens "Ricambeau" zurück, der die Fastnacht verbieten wollte. Zu Beginn der Fastnachtszeit sei dann ein Musikcorps vor seiner Residenz gezogen, um den Narhallamarsch zu spielen und auf die Melodie den Text
"Ritzambo, Ritzambo, morsche geht die Fassnacht o" bzw. "Ritzamba, Ritzamba, morsche fängt die Fassnacht a" ("Ricambeau, morgen fängt die Fastnacht an") zu singen.
Bis jetzt gibt es für diese Legende allerdings keinerlei wissenschaftliche Belege, noch nicht einmal die Existenz des Generals Ricambeau konnte bewiesen werden. Von einigen Lokalhistorikern wird Ritzamba auch als Verballhornung von Jeanbon St. André interpretiert. St. André war Generalkommissar der vier linksrheinischen französischen Départements und Präfekt des Départements Mont Tonnerre (Donnersberg) während der napoleonischen Zeit.
In der Vorderpfalz heißt es, der legendäre französische General habe "Rosambeau" geheißen und man verballhornt seinen Namen sehr viel bösartiger zu "Rotz am Bo" (Rotz am Bein), daher singt man hier
"Rotz am Bo, Rotz am Bo, morsche fangt die Fassnacht o"
Kuriosa Eine fastnachtsfremde Verwendung findet der Narhallamarsch bei den Heimspielen des 1. FSV Mainz 05, der nach jedem Tor der Heimmannschaft die ersten Takte des Marsches als Tusch erklingen lässt. Überall wo "Meenzer Fassenacht" gemacht wird, begleitet der Narhallamarsch auch den Einmarsch von Büttenrednern. Im Saarland wird er auch als "Büttenmarsch" bezeichnet und hier ist es Kult, sowie der Redner die Bütt betreten hat, den Marsch abrupt an einer musikalisch völlig unmotivierten, ja möglichst "unmöglichen", Stelle abzubrechen. http://de.wikipedia.org/wiki/Narhallamarsch | | | | | Narrenkappe | Eine Narrenkappe ist eine im Karneval oder der Fastnacht häufig getragene Mütze, die meist die Zugehörigkeit des Menschen zu einem bestimmten Karnevalverein zeigt. Nicht selten läuft die Narrenkappe nach oben hin - einem Hahnenkamm ähnelnd - zickzackförmig aus.
Kulturhistorisch begründet sich die Narrenkappe auf der mittelalterlichen Gugel, einer kapuzenartigen Mütze, die hauptsächlich im ausgehenden Mittelalter um 1500 sehr in Mode war. In mittelalterlichen Psalterillustrationen des 13. Jahrhunderts sieht man den Narren oftmals kahlköpfig oder mit sehr wirren Haaren, später auch mit einer Total- oder Kranztonsur. Erst ab dem 14. Jahrhundert erscheint er mit einer Gugel, die sich grundsätzlich nicht unbedingt von den Kopfbedeckungen normaler Personen unterscheidet. Erst die Gestaltung des Kapuzenzipfels, welcher häufig außerordentlich lang war, gab den Narren der Lächerlichkeit preis bzw. wurde als Provokation empfunden, da diese Art nicht der Mode der Zeit entsprach. Der Narr betritt mit dieser Kleidung erneut den Bereich des gottesfernen Frevlers, der sich mit seiner exzentrischen Gugel bewusst den schlichten Kapuzen der Ordensmönche gegenüberstellt. Eine der ältesten Darstellungen der Narrenkappe findet sich im Paradies der Abteikirche Maria Laach. Eva reitet dort auf einer Schlange, die eine typisch rheinische Narrenkappe trägt Im Laufe der Zeit entwickelte sich die einzipfelige Gugel zu einer zweizipfeligen, welche sich später zu einer Kappe mit Eselsohren wandelte. Mit den Eselsohren, die an den Enden zusätzlich noch mit Schellen besetzt war, sah sich der Narr in der Nähe des im Mittelalter nahezu umfassend als negativ bewerteten Esels wieder. Dieser stand neben der Dummheit und Lächerlichkeit auch für eine der Todsünden, der Trägheit. Erst relativ spät, im 15. Jahrhundert, trat zu den Eselsohren noch ein Hahnenkamm oder -kopf dazu, der auf den Scheitel, also mitten auf der Gugel, angebracht wurde. Anders als der Esel stand der Hahn im Mittelalter je nach Kontext für positive oder negative Dinge. Als Verkörperung eines Lasters bezeichnete der Hahn fast immer nur die sexuelle Begierde des Menschen. Genau in diesem Kontext stand der Narr als der fleischlichen Liebe und Geilheit verfallener Mensch, der sich von der christlichen Nächstenliebe entfernt hat. Auf nicht wenigen Illustrationen wird der Narr gar mit einem vollausgeprägten Penis statt des Hahnes auf der Gugel dargestellt. Aus diesem Kontext heraus entwickelte sich vor allem im Karneval eine, je nach Karnevalsverein, einheitliche Narrenkappe, die in vielen Eigenschaften an die ausgeprägten Narrenattribute erinnert. Während die Eselsohren im Laufe der Zeit, wohl hauptsächlich aufgrund der Kompliziertheit des Schneiderns und Nähens, bis zum 19. Jahrhundert vollends verschwanden, hat sich der Hahnenkamm vielerorts bis heute fortgesetzt. Nicht selten steht heute die Narrenkappe für den Karnevalisten oder Fastnachter, manchmal sogar für eine ganz normale Person, die mit ihren Eigenheiten oder Verrücktheiten auffallen. Um diese gewähren zu lassen, wird oft das Sprichwort Jedem Narr sei Kapp (Jeder Narr sollte seine eigene Kappe haben im Sinne von Soll der doch tun, was er für richtig hält, auch wenn diese Tat nicht der Norm entspricht) eingesetzt. Die älteste noch erhaltene Narrenkappe Deutschlands stammt aus dem Jahre 1840 und wurde in Speyer ausfindig gemacht. Man kann sie heute im Deutschen Fastnachtsmuseum bewundern. http://de.wikipedia.org/wiki/Narrenkappe | | | |
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